Ein Jahr Lüftungsheizung
Donnerstag, 24. November 2011 17:58
am 17.11.2011 hatte unser Haus den 1. Geburtstag. Zeit genug um einen Erfahrungsbericht zum Thema ‚Lüftungsheizung’ (von der Fa. Zimmermann) abzugeben.
Unser System
Grundsätzlich haben wir eine ‚normale’ Lüftungsheizung der Fa. Zimmermann. Im Wohnzimmer haben wir einen Kaminofen. Im Bad ist im Standard ein 2kW Direktheizer vorgesehen. Diesen haben wir allerdings durch eine elektrische Fußbodendirektheizung (AEG Thermoboden) ersetzt.
Hinweis zum Heizungsprinzip: In ‚normalen’ Räumen wird Frischluft zugeführt. In Feuchträumen (Bad, Gäste-WC, Küche, HWR) wird Luft abgesaugt. Gerade im Bad und Gäste-WC führt dies dazu, dass diese Räume tendenziell die kühlsten Räume sind; im Bad ist dies nicht unbedingt gewünscht.
Entscheidungsgründe
Das Thema ‚Heizung’ war bei unserer Bauplanung mit eines der meist diskutierten. Letztendlich haben wir uns für die Lüftungsheizung entschieden. Ein wichtiges Entscheidungskriterium war für uns die Anpassungsgeschwindigkeit der Raumlufttemperatur – dies ist gerade in den Kinderzimmern wichtig. Da dies bei allen Heizsystemen mit Fußbodenheizung eher träge abläuft hat, die Lüftungsheizung hier – systembedingt – einen Vorteil.
Raumklima
In den Monaten in denen nicht bzw. nur wenig zugeheizt wird ist das Raumklima sehr gut. Die Heizung sorgt für einen angenehmen Luftaustausch. In den Monaten mit Zuheizung fällt die Luftfeuchtigkeit stark ab. 30 – 35% rel. Luftfeuchtigkeit ist dann nur noch vorhanden. Dieser Bereich zählt nicht mehr zum gesunden Raumklima. Wir versuchen dem entgegenzusteuern indem wir die Luftwechselrate stark zurückfahren (Lüfterstufe 1 und zeitweise ist die Lüftung sogar aus) und Zimmerpflanzen aufstellen, welche rel. viel Wasser verdunsten (Zyperngras soll hier sehr gut geeignet sein).
Durch die geringe rel. Luftfeuchte verändert sich auf das Wärmeempfinden des Körpers. Reichen z.b. bei 60% rel. Luftfeuchte ~21°C zum Wohlfühlen, kann sich das auf ~24°C bei 35% rel. Luftfeuchte ändern!
Energieverbrauch
Eine konkrete Aussage zum Energieverbrauch oder gar einen Vergleich zu einer entsprechenden Gasheizung können wir nicht geben. Wir haben eine Liste neben unseren Energiezählern hängen, doch leider findet sich eher sporadisch jemand, der zum Monatsbeginn auch mal den aktuellen Wert in die Liste einträgt.
Grundsätzlich ist aber auch diese Anlage kein Sparwunder. Wer es warm haben möchte muss entsprechend die Raumthermostate hochdrehen und wird dementsprechend mehr Strom verbrauchen.
Technik
Viel kommt man mit der Technik der Heizung nicht in Kontakt, da die Anlage relativ Wartungsfrei ist. Lediglich die Filter für Zu- und Abluft – gelegentlich auch der für Umluft – müssen gewechselt werden. Die Filter müssen bei uns ca. 4mal pro Jahr gewechselt werden; das zeigt die Anlage dann an. Der Filterwechsel kann recht teuer werden, wenn die Original-Filter verwendet werden. Wir haben allerdings beim Industriebedarf-Handel eine riiiesen Rolle solchen Filtermaterials gekauft, welches sicher auch noch unsere Ur-Enkel aufbrauchen können.
Bei der Technik der Anlage fehlt mir allerdings ein entscheidendes Feature – die Nase. Viele Automobilhersteller verbauen heutzutage Sensoren, welche die Qualität der angesaugten Luft bestimmen und ggf. auf Umluft umschalten, um verschmutzte oder stinkende Außenluft nicht in den Innenraum zu bringen. Dies wäre bei der Lüftungsheizung auch nicht fehl am Platze, da gerade jetzt im Herbst unser Haus öfters mal nach Nachbars qualmendem Feuer riecht, obwohl sich der Qualm außen schon längst wieder verzogen hat.
Sondertarife vom Energieversorger(EV)
Wir beziehen den Strom zum Wärmepumpen-Tarif von unserem EV. Voraussetzung für diesen Tarif ist, dass der Energieverbrauch von Heizung und den restlichen Verbrauchern separat gemessen wird. Insgesamt sind dazu 3 Zähler verbaut worden. Einer zählt den ‚normalen’ Haushaltsstrom. Die anderen Zwei zählen den Energieverbrauch der Heizungsanlage (inkl. Warmwasserwärmepumpe). Hier wird bei uns noch einmal unterschieden in ‚Hochtarifzeit’ (ca. 73% vom Standard-Tarif) und ‚Niedertarifzeit’ (ca. 53% vom Standard-Tarif). Der EV entscheidet, wann er uns den Strom zu welchem Tarif verkauft. Die aktuellen Zählerstande zeigen allerdings, dass wir zu ~3/4 HT und zu ~1/4 NT den Strom beziehen.
An dieser Stelle möchte ich auf die ‚Sperrzeiten’ der EV hinweisen.
Hier der Originaltext unseren EV: „Die Wärmepumpen werden mit Sperrzeiten betrieben. Der Strombezug für unterbrechbare Anlagen wie Wärmepumpen wird zu den Spitzenlastzeiten vom jeweiligen Netzbetreiber unterbrochen. Die Unterbrechung der Netznutzung kann 3 mal 2 Stunden pro Kalendertag betragen“.
Die Sperrzeiten können in der Praxis schon ein wenig nervig sein. Ein konkretes Beispiel von uns: unsere Tochter wacht am Wochenende kurz vor 7:00Uhr auf und beschließt, gleich erstmal mit ihren Puppen zu spielen. Das Zimmer ist zu diesem Zeitpunkt noch relativ kühl da die Heizung aus und das Fenster offen war. Kein Problem – Fenster zu, Heizung an. Doch: von 07:00 – 08:00Uhr sind wir in der Sperrzeit. Das heißt der EV schaltet den Strom für die Lüftungsheizung und die Warmwasserwärmepumpe ab. Damit kann also in den Sperrzeiten nicht geheizt werden; ist nicht ganz optimal.
Resumé
Im Großen und Ganzen sind wir mit der Anlage zufrieden; da wir auch wissen, dass es nicht die optimale Heizungsanlage gibt, welche alle Anforderungen gleich gut erfüllt. Wir heizen viel mit dem Kaminofen, was sicherlich dazu beiträgt den Energieverbrauch der Lüftungsheizung gering zu halten. Für Bad und Gäste-WC können wir jedem wärmsten den AEG-Thermoboden empfehlen. Wir haben diesen nur im Bad verbaut, würden aber zukünftig auch im Gäste-WC diese Heizung verwenden.
ps: nicht verschweigen möchte ich an dieser Stelle, dass wir noch immer Probleme mit dem Zentralgerät der Heizung haben. Bereits kurz nach der Montage/Inbetriebnahme der Heizung bildeten sich unten am Gehäuse stätig Wassertropfen welche dann auf den Boden abtropften. Damals wurde das noch mit der hohen Luftfeuchtigkeit erklärt, welche im Laufe der Zeit abnimmt und sich dieses Problem dann damit selbst löst. Die Luftfeuchtigkeit ist nun tatsächlich auf einen kaum noch messbaren Wert gesunken (sieh oben) doch bei entsprechender Witterung (Außentemperatur < 0°C) bildet sich weiterhin Wasser am Gehäuse welches dann abtropft. Da wir nun mehrfach die Gelegenheit geboten haben das Problem durch Nachbesserung zu beheben – dies wurde auch versucht doch nicht erreicht – drängen wir nun auf den Austausch des Zentralgerätes mit der Hoffnung, dass das nicht zum Normalverhalten des Gerätes gehört.
Weiterhin ist die Analge in einem Zimmer recht laut. Das Einströmen der Luft durch das Wandventil ist hier deutlich zu hören. Da dies in allen anderen Zimmern nicht so ist, hoffen wir darauf dass das noch nachjustiert werden kann. Neue Infos folgen …
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